Nachhaltiger 3D Druck - Wie Kunststoff neu gedacht wird
Nachhaltiger 3D Druck - Wie Kunststoff neu gedacht wird
Plastik ist global im Fokus, wenn es um Umweltverschmutzung geht. Praktisch ist es zwar, doch braucht es Tausende Jahre bis es sich vollständig zersetzt. Mikroplastik findet sich heute in Weltmeeren, in Fischen und damit auch in unserer Nahrung. Langfristig führen Stoffe wie PFAS zu Schäden im menschlichen Organismus. Der Großteil des produzierten Kunststoffs stammt aus Erdöl, was die Umweltbilanz zusätzlich belastet.
Nachhaltiger 3D Druck setzt genau hier an: durch den Einsatz biologisch abbaubarer Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen und durch die Wiederverwertung bestehender Kunststoffabfälle. In diesem Artikel zeigen wir wie nachhaltiger 3D Druck in der Praxis funktioniert, welche Materialien zum Einsatz kommen und wie ein echter Kreislauf entsteht.
Kurz erklärt: Nachhaltiger 3D Druck ist die Herstellung von Kunststoffobjekten mit minimaler Umweltbelastung. Verwendet werden biologisch abbaubare Materialien wie PLA aus pflanzlicher Stärke, recyceltes Filament aus PET-Flaschen oder rPLA aus Druckabfällen sowie eine On-Demand-Fertigung ohne Überproduktion und Lagerüberhang.
Was ist nachhaltiger 3D Druck?
Nachhaltiger 3D Druck bedeutet, Kunststoffobjekte mit minimaler Umweltbelastung herzustellen. Drei Hebel sind entscheidend:
- Materialwahl: Biologisch abbaubare Filamente wie PLA aus pflanzlicher Stärke statt Erdöl-basierter Kunststoffe
- Recycling: Kunststoffabfälle aus dem 3D Druck und aus dem Alltag werden geschreddert und neu verarbeitet
- On-Demand-Fertigung: Nur drucken was tatsächlich gebraucht wird, keine Überproduktion und kein Lagerüberhang
Bei Biocraftlab kombinieren wir alle drei Ansätze in unserer Werkstatt am Liebenauer Gürtel 10 in Graz.
PLA und recyceltes Filament: die Materialien für nachhaltigen 3D Druck
Das wichtigste Material für nachhaltigen 3D Druck ist PLA, kurz für Polylactid. PLA wird aus Maisstärke oder Zuckerrohr gewonnen, ist biologisch abbaubar und kommt ohne Erdöl aus. Es lässt sich präzise verarbeiten und ist lebensmittelecht nach EU-Vorgaben.
Zusätzlich setzen wir auf recyceltes Filament, vor allem rPLA und rPET. rPLA entsteht aus geschredderten 3D Druck Abfällen und Produktionsresten. rPET wird aus alten PET Flaschen hergestellt. Beide Filamente bieten die gleiche Druckqualität wie Neumaterial, sparen aber massiv Ressourcen.
PLA vs PETG vs ABS: Materialvergleich für nachhaltigen 3D Druck
Für die Materialwahl im 3D Druck sind drei Filamente besonders verbreitet. PLA punktet bei Nachhaltigkeit, PETG bei Robustheit, ABS bei Hitzebeständigkeit. Der direkte Vergleich:
| Eigenschaft | PLA | PETG | ABS |
|---|---|---|---|
| Rohstoffquelle | Maisstärke, Zuckerrohr | Erdöl (recycelbar als rPET) | Erdöl |
| Biologisch abbaubar | Ja (industriell) | Nein, aber gut recycelbar | Nein |
| Drucktemperatur | 190 bis 220 °C | 220 bis 250 °C | 230 bis 260 °C |
| Festigkeit | Mittel, eher spröde | Hoch, schlagfest | Sehr hoch, hitzebeständig |
| Geruch beim Drucken | Süßlich, unbedenklich | Leicht, neutral | Stark, gesundheitlich bedenklich |
| Lebensmittelecht | Ja (nach EU-Vorgaben) | Bedingt | Nein |
| Nachhaltigkeit | Sehr gut | Gut (recycelbar) | Schlecht |
Fazit: Für die meisten Anwendungen im nachhaltigen 3D Druck ist PLA die erste Wahl. Wer höhere Belastbarkeit braucht greift zu rPET als recyceltem Kompromiss. ABS spielt im nachhaltigen Druck praktisch keine Rolle mehr.
Kreislaufwirtschaft im 3D Druck: so funktioniert der Recyclingprozess
Nachhaltiger 3D Druck endet nicht beim Material, sondern setzt sich beim Umgang mit Abfällen fort. Bei jeder 3D Druck Produktion entstehen Reste: Supportmaterial, fehlerhafte Drucke, Spülobjekte beim Materialwechsel. Diese Reste landen bei uns nicht im Müll, sondern im Recyclingprozess.
Schritt 1: Sortierung. Die Kunststoffabfälle werden nach Materialtyp und Farbe getrennt. Aktuell verarbeiten wir vier Hauptkunststoffe:
- PLA (Polylactid) aus 3D Druck Abfällen
- PET (Polyethylenterephthalat) aus Flaschen und Verpackungen
- PP (Polypropylen) aus Labor-Einwegmaterial und Verpackungen
- HDPE (High Density Polyethylen) aus Deckeln und Dosen
Schritt 2: Schreddern. Sortenreine Kunststoffe werden zu Granulat zerkleinert.

Geschredderte Kunststoffe werden zu Granulat verarbeitet, das anschließend für Filament-Extrusion oder Spritzguss verwendet wird.
Schritt 3: Wiederverwertung. Das Granulat wird für den Pelletdrucker oder dem Spritzgussverfahren mit Aluminiumformen genutzt. Außerdem kann daraus auch neues 3D Druck Filament erzeugt werden.

Aluminiumformen ermöglichen die Serienfertigung kleiner Bauteile aus recyceltem Kunststoff im Spritzguss.
Schritt 4: Produkterstellung. Mit den Recyclingmethoden entsteht neues 3D Druck Filament oder direkt fertige Objekte.

Aus geschredderten Kunststoffabfällen entstehen wieder funktionale Objekte. Echte Kreislaufwirtschaft im 3D Druck.
Aus alten PET Flaschen wird neues 3D Druck Filament
Ein konkretes Beispiel für gelebte Kreislaufwirtschaft: aus alten PET Flaschen lässt sich recyceltes PET Filament für den 3D Drucker herstellen. Dazu werden Flaschen in feine Streifen geschnitten und durch eine Düse zu rundem Filament geformt. Den ausführlichen Prozess haben wir hier dokumentiert: 3D Druck aus recycelten PET Flaschen.

Aus geschnittenen PET-Flaschen-Streifen entsteht recyceltes Filament für den 3D Drucker.
Vorteile von nachhaltigem 3D Druck gegenüber konventioneller Fertigung
Im direkten Vergleich mit klassischen Fertigungsmethoden hat nachhaltiger 3D Druck mehrere Pluspunkte:
- Weniger Materialverbrauch: 3D Druck arbeitet additiv, baut also nur Material auf wo es gebraucht wird. Klassische Fräsverfahren tragen Material ab und erzeugen viel Abfall.
- Lokale Produktion: Keine Überseetransporte, kein Container-Sprit, kein CO2-intensiver Versand aus Asien.
- On-Demand statt Massenproduktion: Es wird gefertigt was gebraucht wird, keine Lagerbestände die später vernichtet werden.
- Geschlossener Materialkreislauf: Druckabfälle landen wieder im Prozess statt im Restmüll.
- Biologisch abbaubare Materialien: PLA zersetzt sich unter industriellen Kompostierbedingungen vollständig.
Wie nachhaltig ist PLA wirklich?
PLA ist biologisch abbaubar, aber nicht im heimischen Komposter. Industrielle Kompostieranlagen mit Temperaturen über 60 Grad und kontrollierter Feuchtigkeit zersetzen PLA innerhalb weniger Monate vollständig zu CO2, Wasser und Biomasse. Im normalen Hausmüll oder in der Natur dauert der Abbau deutlich länger.
Der maßgebliche Standard hierfür ist die Norm DIN EN 13432, definiert von der European Bioplastics Association. Sie regelt unter welchen Bedingungen ein Material als industriell kompostierbar gilt: 90 Prozent Abbau zu CO2 und Wasser innerhalb von sechs Monaten bei 58 Grad Celsius.
Die ehrliche Einordnung: PLA ist umweltfreundlicher als ABS oder PETG aus Erdöl, ersetzt aber nicht das Recycling. Der beste 3D Druck Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht oder direkt wieder im Kreislauf landet. Genau deshalb kombinieren wir PLA mit aktivem Recycling vor Ort.
Anwendungen: was lässt sich aus nachhaltigem 3D Druck herstellen?
Mit PLA und recyceltem Filament drucken wir bei Biocraftlab eine breite Produktpalette. Beliebte Beispiele aus unserem Sortiment:
- Keksausstecher in über 200 Designs (Tiere, Weihnachten, Wissenschaft)
- Vasen im modernen Design
- Trophäen, Medaillen und Pokale
- Werbeartikel und Mitarbeitergeschenke
- Dekorationsobjekte und Geschenkideen
- Prototypen und Kleinserien für Unternehmen
Besonders gefragt sind individuelle Keksausstecher für Bäckereien, Museumsshops und Werbeartikel.

Keksausstecher aus biologisch abbaubarem PLA, gefertigt im 3D Druck bei Biocraftlab.
Häufige Fragen zu nachhaltigem 3D Druck
Ist PLA wirklich besser als herkömmlicher Kunststoff?
Ja, in mehreren Punkten: PLA wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, ist biologisch abbaubar und benötigt in der Produktion weniger Energie als ABS oder PETG. Allerdings nur unter industriellen Kompostierbedingungen vollständig abbaubar.
Was passiert mit fehlerhaften 3D Drucken?
Bei Biocraftlab werden fehlerhafte Drucke und Supportmaterial gesammelt, sortiert, geschreddert und im Spritzguss oder als rPLA Filament wiederverwertet. Nichts davon landet im Restmüll.
Kann ich PLA Objekte zuhause kompostieren?
Nein. PLA braucht Temperaturen über 60 Grad und kontrollierte Feuchtigkeit. Im Hauskompost zersetzt es sich kaum. Industrielle Kompostieranlagen sind die richtige Adresse.
Welche recycelten Kunststoffe lassen sich im 3D Druck verarbeiten?
PET, PLA, PP und HDPE eignen sich gut für den 3D Druck oder für Spritzgussverfahren. Voraussetzung ist sortenreine Trennung vor dem Schreddern.
Wie umweltfreundlich ist 3D Druck im Vergleich zu Spritzguss in China?
Lokaler 3D Druck spart den Container-Transport und ermöglicht On-Demand-Fertigung. Bei kleinen und mittleren Stückzahlen ist 3D Druck deutlich nachhaltiger. Bei sehr großen Stückzahlen kann lokaler Spritzguss mit recyceltem Material ähnlich gut abschneiden.
Nachhaltigen 3D Druck in Anspruch nehmen
Du hast eine Idee, einen Prototyp oder ein Serienprojekt das mit nachhaltigem Material umgesetzt werden soll? Unser 3D Druck Service Graz arbeitet ausschließlich mit PLA und recyceltem Filament und übernimmt alles vom 3D Design bis zur Kleinserie.
Schick uns deine Anfrage über das Kontaktformular oder per E-Mail an support@biocraftlab.com. Innerhalb von 24 Stunden bekommst du ein Angebot.

Guten Tag. Ich habe von meinen 3D Druck Abfälle . Gibt es eine Möglichkeit diese bei Ihnen abzuholen bez zu versenden? Lg
Kev Gürtler am
Vielen Dank für Ihre Anfrage,
sehr gerne können wir Sie beim Kunststoff Recyclingsprozess Ihrer PLA Kunststoffabfälle untersützen. Wir melde uns demnächst bei Ihnen per E-Mail.
Beste Grüße,
Nico Teuschler
Nico Teuschler am
Hallo,
ich schreibe im Auftrag des HTU Makerspace und wir suchen nach einer Möglichkeit unsere 3D Druck Abfälle besser zu entsorgen, da PLA ja leider das Recyceln anderer Kunststoffe erschwert. Gibt es bei euch die Möglichkeit unsere PLA Reste bei euch abzugeben?
Sebastian Dohr am